Die gesundheitlichen Vorteile (und Risiken) des „Eisschwimmens“

10 Februar 2021
Kategorie: Blog

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie wunderschön Eisschwimmen sein kann, schauen Sie sich das untenstehende Video von Jamie Monahan beim Schwimmen in der Antarktis an. Jamie ist eine siebenfache US-Meisterin im Winterschwimmen und die erste Gewinnerin des Weltcups der International Winter Swimming Association. Sie ist auch die erste Person die die Ice Sevens Challenge der International Ice Swimming Association absolviert hat. Um diese Herausforderung erfolgreich abzuschließen, müssen die Athleten sechs „Eis-Meilen“ mit Wassertemperaturen unter 5°C und eine „Eis-Null-Meile“ mit Wassertemperaturen unter 1°C schwimmen. 🙀!

Was ist Eisschwimmen?

Eisschwimmen bezieht sich auf das Schwimmen im Freien und in sehr kaltem Wasser mit Wassertemperaturen unter 5°C. Winterschwimmen und Eisschwimmen werden oft synonym verwendet, obwohl Eisschwimmen explizit voraussetzt, dass das Eis bricht, wenn Schwimmer in das Wasser eintauchen.

Das Kaltwasserschwimmen war Teil vieler religiöser und kultureller Feste in Nord- und Osteuropa – vor allem in Finnland, Russland und den baltischen Staaten. In den letzten Jahren ist der Sport jedoch immer beliebter geworden und ist mittlerweile ein Ganzjahressport. Die Hauptsaison des Winter- und Eisschwimmens beginnt in der Regel im November und dauert bis zum März eines jeden Jahres. Es gibt sogar viele Winter- und Eisschwimmwettkämpfe, die von den beiden größeren Veranstaltern – der International Ice Swimming Association und der International Winter Swimming Association – organisiert werden.

Die gesundheitlichen Vorteile des Eisschwimmens

Ein Bad im kalten Wasser bringt zahlreiche Vorteile für die Gesundheit mit sich:

  • Verbesserte Stimmung – Jede Art von Sport hilft die körpereigene Produktion von Wohlfühl-Endorphinen anzuregen, aber das kalte Wasser treibt diesen Prozess extrem an;
  • Sie werden besser schlafen – Durch das regelmäßiges Eintauchen in kaltes Wasser baut der Körper die Fähigkeit auf, sich selbst zu reparieren und führt zudem zu einem Gefühl der Entspannung, das Ihnen wiederum dabei hilft, besser zu schlafen;
  • Gestärktes Immunsystem & verbesserte Durchblutung – Die durch das kalte Wasser verursachte Temperaturveränderung bringt Ihr Herz dazu, mehr Blut zu den Organen zu pumpen. Das kalte Wasser kann auch das Immunsystem ankurbeln, was z. B. zu einer höheren Produktion von weißen Blutkörperchen führt.

Aber das Schwimmen in kaltem oder eiskaltem Wasser kann auch gefährlich oder sogar tödlich sein, gerade für Anfänger.

Die Risiken des Eisschwimmens

Das Schwimmen in kaltem Wasser birgt einige sehr spezifische Gesundheitsrisiken. Dr. Jonathan D. Packer, Assistenzprofessor für Orthopädie an der University of Maryland School of Medicine, sagt: „Anfangs hat man diesen Schock und man atmet ein paar Mal tief durch. Es ist wichtig, zu diesem Zeitpunkt nicht in Panik zu geraten, denn man kann versehentlich Wasser einatmen. Das kann gefährlich sein und man kann daran ertrinken. Die häufigste Todesursache beim Aufenthalt in kaltem Wasser sind Herzstillstände aufgrund solcher Kälteschockreaktionen“.

Hier sind einige der wichtigsten Gesundheitsrisiken:

  • Unterkühlung – Unterkühlung steht für einen gefährlichen Abfall der Körpertemperatur auf unter 35 °C und ist ein medizinischer Notfall. Schwimmer sollten beim Aufwärmen besonders vorsichtig sein, da warmes Blut aus dem Körperkern sehr schnell abkühlt, wenn es in die Extremitäten des Körpers fließt. Zu den typischen Symptomen einer Unterkühlung gehören blaue Lippen, Zittern, schnelle Atmung, undeutliche Aussprache und mehr;
  • Kälteschock – Ein „Kälteschock“ ist die Reaktion unseres Körpers auf einen plötzlichen Temperaturabfall, z. B. durch ein unerwartetes Eintauchen in Wasser mit einer Temperatur von etwa 15 °C oder weniger. Jede Temperatur, die darunter liegt, wird als kaltes Wasser definiert und dies beeinträchtigt unsere Körperfunktionen erheblich. Es wird davon ausgegangen, dass Kaltwasserschocks mehr Todesfälle verursachen als Unterkühlung;
  • Lähmungen – Wenn Schwimmer nach etwa 10 bis 15 Minuten im kalten Wasser zu kalt werden, erleben viele eine Steifheit der Extremitäten und können manchmal nicht mehr Schwimmen. Derartige durch die Kälte ausgelöste periodische Lähmungen führt oft zum Ertrinken.

Generell gilt: Holen Sie sich vor dem Winterschwimmen fachkundigen, ärztlichen Rat, insbesondere wenn Sie herzkrank sind oder unter Bluthochdruck oder Asthma leiden. Die britische Schwimmerin Jess Campbell warnt, dass Eisschwimmen „definitiv nichts ist, was man alleine versuchen sollte. Alle Eisschwimmer beginnen oft im Sommer mit dem Schwimmen und akklimatisieren sich allmählich“.

Die besten Locations zum Eisschwimmen

Immer noch interessiert und bereit, das Eisschwimmen auszuprobieren? Anfängern empfehlen wir, Ihre Reise zum Eisschwimmen am Strand von Nauthólsvík in Island zu beginnen. Der Strand liegt nicht weit von Reykjavik entfernt und verfügt über eine künstliche heiße Quelle, in der Sie sich nach Ihrem Eisschwimm-Erlebnis sofort wieder aufwärmen können.

Etwas ernster geht es beim Eisschwimmen in Harbin in China zu. Jedes Jahr nehmen Hunderte von Männern und Frauen an einem Eisschwimmwettbewerb teil, der Teil des jährlichen Winterfestivals in Harbin ist. In der Stadt in der nordchinesischen Provinz Heilongjiang können die Temperaturen im Winter auf bis zu -35 °C sinken und den örtlichen Fluss gefrieren lassen. Professionelle Schwimmbecken werden aus der Oberfläche des Flusses gegraben, damit Einheimische und Touristen aus aller Welt dieser beliebten Outdoor-Aktivität nachgehen können.

Und dann ist da noch Murmansk in Russland. Eisschwimmen ist in der Stadt sehr beliebt und auch hier finden jedes Jahr einige Eisschwimmwettbewerbe statt. Die einheimischen Eisschwimmer bezeichnen sich selbst sogar als „morzhi“ oder Walrösser!

Hier sind einige tolle Tipps speziell für Anfänger:

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